Warum die hessischen Lehrkräfte gestreikt haben

Streik, KundgebungAuch an der Astrid-Lindgren-Schule fehlten am vergangenen Dienstag zwei Lehrkräfte.
Wenn man der Berichterstattung zum Warnstreik der hessischen Lehrkräfte am 16.6.2015 folgte, konnte man mitunter den Eindruck gewinnen, die Lehrerinnen und Lehrer wären auf die Straße gegangen, um „mehr Geld“ zu bekommen. Dies trifft den Kern des Streiks allerdings gar nicht.
Vielmehr ging es darum, dass ein Großteil der Lehrerschaft ihren Unmut gegenüber einer Vielzahl von Entscheidungen aus dem hessischen Kultusministerium äußern wollte. Der Dienstherr lässt derzeit gegenüber seinen Beamten jegliche Art von Wertschätzung für deren Arbeit vermissen.
So fordert das Land Hessen auf der einen Seite, die Inklusion voranzutreiben, diverse Förder- und Fordermaßnahmen an den Schulen durchzuführen, schuleigene Konzepte für alle Bereiche des schulischen Lernens zu erstellen, Förderpläne zu schreiben, Schulcurricula zu entwickeln und vieles mehr.
Auf der anderen Seite haben die hessischen Lehrer bundesweit die höchste Wochenarbeitszeit und sind durch den Ausstieg aus dem Tarifverbund für den öffentlichen Dienst schlechter bezahlt als in anderen Bundesländern. Zudem plant das Land Hessen für das neue Schuljahr, die Stunden zur Erteilung von Förderunterricht drastisch zu kürzen(!). Auch verpuffen alle Bemühungen der Lehrkräfte, die absolut unzureichenden Ressourcen im Bereich der Inklusion aufzustocken, um tatsächlich eine sinnvolle pädagogische Arbeit in diesem Arbeitsfeld leisten zu können.
Diese Ansammlung vieler pädagogisch motivierter Gründe mündete letztlich in der Durchführung des Warnstreiks, der am Dienstag mehr als 6000 Lehrkräfte trotz Androhung schriftlicher Missbilligungen und finanzieller Einbußen auf die Straße trieb.
Leider wurde in den Kundgebungen in Wiesbaden deutlich, dass diese fehlende Wertschätzung nicht nur die Lehrer betrifft. Auch aus den Reihen der hessischen Polizei und dem Hessenforst wurden Stimmen laut, die ein personelles „Ausbluten“ bei gleichzeitig immer höher geschraubten Anforderungen beklagten.
Für die Kinder aus Hessen hoffen wir, dass der Warnstreik Veränderungen anstoßen konnte…

Stefan Kasper, Lehrkraft an der Astrid-Lindgren-Schule

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