Liebe Eltern!
In letzter Zeit brennt mir ein Thema unter den Nägeln, zu dem ich gerne meinen persönlichen Standpunkt erläutern möchte:
Immer häufiger erfahren wir von Viertklässlern (und ich habe mir sagen lassen, dass dies auch schon auf wesentlich jüngere Kinder zutrifft), dass diese schon über ein Smartphone verfügen, in Whatsapp-Gruppen chatten oder bereits einen eigenen TikTok-Account erstellt haben. Aus den fünf folgenden Gründen sehe ich diese Entwicklung mit großer Sorge:
1. Natürlich finden Kinder die Möglichkeiten eines Smartphones „cool“. Jedoch zeigen Studien, dass die Überlassung eines internettauglichen Handys meist nicht mit einer medienerzieherischen Begleitung durch die Eltern einhergeht. Gehen Kinder aber unkritisch mit diesen Geräten um, laufen sie völlig ungeschützt den Risiken des Internets in die Arme! Es gilt aber, unsere Kinder zu schützen!
2. Ich kenne konkrete Fälle von digitalem Mobbing und weiß daher, was Beleidigungen und Anschuldigungen, die in Chatforen ihre Runden machen, mit den Betroffenen anstellen können. Zickereien unter Kindern, die mal ausgesprochen und dann auch schnell wieder vergessen werden können, werden mithilfe der Smartphones zu schriftlich dokumentierten Anschuldigungen, die andere zum Mitmachen animieren und schwer zu stoppen sind. Warum sollten wir unseren Kindern so etwas antun?
3. Schon häufiger hörte ich von Eltern den Satz: „Na ja, spätestens im fünften Schuljahr braucht mein Kind ja sowieso ein Handy. Da kann es auch jetzt schon mal seine Erfahrungen damit sammeln.“ Es stimmt, dass der Druck auf Kinder und Eltern in der weiterführenden Schule leider sehr stark zunimmt, was die Ausstattung mit Handys angeht. Aber warum machen wir dabei sofort mit? Und weiter gefragt: Warum geben wir uns so naiv der Versuchung hin, auch bei Viertklässlern schon denselben Anschaffungsdruck aufzubauen? Trauen wir uns doch einfach, dass die Kinder aus Hauneck einfach noch einige weitere Monate Kind sein dürfen…
4. Wer als Kind ein Smartphone besitzt, möchte natürlich auch die digitalen Möglichkeiten nutzen und in den sogenannten sozialen Netzwerken mitmischen. Einigen Facebook-Profilen von Fünft- und Sechstklässlern ist anzusehen, welchen Vorbildern hier nachgeeifert wird: Da werden Selfies mit Posen wie Rihanna oder Justin Bieber ins Netz gestellt, da wird suggeriert, dass man natürlich nur geschminkt das Haus verlassen kann oder am besten seinen eigenen Beauty-Kanal auf Youtube haben muss.
Immer häufiger ist auch schon bei 12jährigen das Phänomen des „Sexting“ festzustellen, bei dem intime Fotos zunächst an einzelne weitergeschickt werden, sich dann aber schneeballartig verbreiten und nicht mehr gestoppt werden können.
Weitere Infos zu diesem Thema gibt’s HIER!
5. Einige Kinder erzählten mir, dass es ein großer Vorteil ist, eine eigene Whatsapp-Gruppe zu gründen, um sich dann nachmittags über die Hausaufgaben austauschen zu können…
„Wozu das denn?“, kann ich da nur zurückfragen. Die Hausaufgaben werden morgens mit allen in der Schule besprochen und dort aufgeschrieben. So ganz ohne digital…
Wäre es nicht wesentlich sinnvoller, die Kinder würden sich nach dem Erledigen der Hausaufgaben „in echt“ miteinander treffen, um gemeinsam zu spielen?
Liebe Eltern, ich möchte Ihnen Mut machen, nicht gleich dem Wunsch Ihres Kindes nach der Anschaffung eines Smartphones nachzukommen! Wenn sich viele Eltern aus Hauneck einig wären in ihrem „Nein!“, könnten die Kinder sicherlich auch mit dieser Entscheidung leben… 😉
Stefan Kasper,
Lehrer der A-L-S Hauneck
Hier werden leider ein paar Dinge vermischt. Das Smartphone ist ja erstmal nur ein Gerät, mit dem ich dann verschiedene Dienste nutzen kann. Der „Dienst“ facebook ist aber nicht exklusiv über das Smartphone zu nutzen (mal davon abgesehen, dass facebook bei Kindern Jugendlichen immer weniger Relevanz hat). Oder soll Grundschülern jeglicher Zugang zum Internet verwehrt werden?
Der kompetente und sichere Umgang mit sozialen Medien ist mit Sicherheit etwas, was auch schon im Rahmen der Grundschule thematisiert werden sollte. Sollte statt eines „Verbots“ nicht eher das begleitete und reflektierte Kennenlernen der digitalen Medien im Vordergrund stehen? Es gibt ja durchaus auch große Lernpotentiale, die in den digitalen Medien stecken, wie SIe ja selbst festgestellt haben.
Wenn Grundschüler auf die Idee kommen, sich digitale Formen der Kollaboration bei den Hausaufgaben zu Nutze zu machen, dann sollte man doch schon fast froh sein. Ist es nicht genau das, was einen kompetenten Lerner ausmacht? Und: Tauschen Sie sich nicht über digitale Kanäle bei der Unterrichtsvorbereitung aus?
Natürlich geht es mir nicht darum, die sozialen Netzwerke per se zu verteufeln. Im Unterricht an unserer Schule nutzen die Schüler selbst auch schon lange die Vorzüge der Internetrecherche. Keine Frage.
Aber:
Die unbegleitete Überlassung von abgelegten Smartphones an die eigenen Kinder hat in den beobachteten Fällen dazu geführt, dass diese Kinder es gewissermaßen als Statussymbol ansehen, selbst über solch ein tolles technisches Wunderwerk zu verfügen. Da aber die Notwendigkeit der Nutzung im Alter von 8, 9 oder 10 Jahren noch nicht wirklich gegeben ist, definieren die Kinder diese für sich neu. Leider oftmals sehr unreflektiert. Dass eine Whatsapp-Gruppe mit Freunden dann zur Absprache über die Hausaufgaben genutzt wird, ist tatsächlich inhaltlich unbedenklich, aber eher dem Umstand geschuldet, dass es eben keine andere Nutzung gibt, die den Kindern bis zu diesem Zeitpunkt eingefallen ist. Ich lehne es ab, das Thema „Chancen und Gefahren der sozialen Netzwerke“ bereits mit Grundschülern zu thematisieren, da dadurch den meisten Kindern und Eltern suggeriert würde, dass deren Nutzung im Grundschulalter aber auf jeden Fall schon dazugehört. Und genau das sehe ich eben nicht so. Alles zu seiner Zeit.
Das Handyverbot an unserer Schule hat einen anderen Hintergrund. Die als „Notfalltelefone“ bezeichneten Geräte wurden vermehrt zum Angeben genutzt. Außerdem begannen einige Kinder, selbstständig mal zwischendurch zu Hause anzurufen, etwa um Abholdienste nach dem Unterricht zu organisieren. Da mögliche weitere Entwicklungsschritte gewesen wären, dass sich Kinder per Handy über das vermeintliche Fehlverhalten von Mitschülern oder Lehrern bei ihren Eltern beschwert hätten, griffen wir lieber zu der Verbots-Maßnahme. Und das funktioniert jetzt auch ganz super.
Die Telefoniererei während der Schule geht keinesfalls, keine Frage. Aber letztendlich ist das Smartphone doch nur ein Zugangsgerät zur digitalen Welt, dessen Funktionen auch von einem Tablet oder Laptop übernommen werden könnte. Insofern wäre die im Blogpost angeführte Argumentation ja auch für/gegen diese Art Geräte geeignet.
Soziale Netzwerke (und schon Whatsapp ist ja ein solches soziales Netzwerk) gehören inzwischen zur multimedialen Lebenswirklichkeit unserer Gesellschaft. Wenn ich diesbezüglich die aktuellen Empfehlungen der KMK betrachte, finde ich durchaus Anknüpfungspunkte, wieso soziale Netzwerk/Gefahren und Chancen des Internets/digitale Endgeräte Thema des Grundschulunterrichts sein sollten.
„Medien sind im Unterricht jedes Fachs der Grundschule sowohl Werkzeug als auch
Gegenstand des Lernens. Anknüpfend an ihre Vorerfahrungen erweitern die Kinder
ihre Medienkompetenz und werden auf die selbstbestimmte Teilhabe an der multimedialen Welt vorbereitet, indem sie Gelegenheit haben, Medien aller Art sachgerecht und produktiv zu nutzen, sich Informationen zu erschließen, eigene Darstellungen und Medienbeiträge zu gestalten und zu präsentieren, multimediale Kommunikationswege zu nutzen sowie den Einsatz und die Wirkung von Medienbeiträgen zu verstehen, zu bewerten und kritisch zu reflektieren.“ (Quelle: http://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/1970/1970_07_02_Empfehlungen_Grundschule.pdf)
Finde die Bedenken absolut berechtigt, frage aber trotzdem ob man angesichts der voranschreitenden Verbreitung und der gewissen Selbstverständlichkeit, nicht auch eine Schule reagieren sollte. Man klärt sich auch über andere Gefahren im Unterricht auf! Man könnte doch auch Medienerziehungsschwerpunkt im Unterricht setzen. Sehe da sicherlich die Eltern in der Verantwortung, aber die Schule in der Rolle des Aufklärers
Ja, darüber denken wir auch nach. Allerdings keine Medienerziehung im Sinne von „So funktioniert’s toll!“, sondern vielmehr als „Achtung! Werden Sie sich der Gefahren bewusst!“
Ich dachte da eher als im Unterricht ausgearbeite Aufklärung. Wie gehe ich mit Medien um, wie verhalte ich mich. Dachte da eher an einen modularen (je nach Alter) mehrstündigen Unterricht. Mit Medienerziehung sollte man rechtzeitig anfangen! Kinder werden doch auch schon sehr früh über Sex und die Gefahren aufgeklärt. Und den richtigen und bewussten Umgang mit Facebook, Blogs, Chats und co. sollte man genau in dieser Alterstufe lernen. Step by Step! Kinder verwenden vielleicht vielleicht keine Smartphones im Unterricht, nach dem ich diese verbannt habe, aber zuhause ganz bestimmt. Schicken sich doch bereits 7 oder 8 Jährige mit den Handys und Tablets der Freunde oder Eltern gegenseitig Nachrichten…
Die Kinder sollten nicht im Geheimen Chatten, sondern Bewusstsein und Verantwortung im WWW erlernen…